Donnerstag, 8. März 2018 „Die Zukunft ist auch nur die Gegenwart von morgen!“

Das schrieb die Badische Zeitung:

Kabarett mit Geist und Witz!

Herzlich lachen zum Frauentag durften die Gäste einer Kabarettveranstaltung des DGB mit Josefine Gartner in Müllheim.

Der Kabarettabend mit Josefine Gartner in der Müllheimer Mediathek erweist sich als echter Publikumshit, nicht nur bei Frauen. Bei Wein und Käse, Saft und Sticks, aufgetischt vom DGB-Vorstand steigt noch die Lust auf einen anregenden Abend zum Thema Politik.

Die Erwartungen werden vollauf erfüllt: Denn nichts und niemand bleibt verschont, wenn Josefine Gartner und ihre Schwester Hilde – ebenfalls gespielt von ihr – in fröhlichem Bayrisch die Bühne entern, schon gar nicht die beiden ungleichen Protagonistinnen selbst. Überaus plastisch führen sie vor Augen, dass jedes Ding zwei Seiten hat: Wo aus der Sicht der einen finstere Mächte und Schattenbanken ihr Unwesen treiben, sieht die andere bewundernswert starke Männer am Werk; was der einen ihr Biotop, ist für die andere nichts als Unkraut.

Ob sie nun Franz Josef Strauß oder Joschka Fischer zitiert, oder ob sie über Pointenstresssituationen beim Kabarettbesucher sinniert: Josefine Garder ist eine echte Entdeckung. Auf ganz eigene Art, unverdorben durch die Comedy-Gepflogenheiten des Fernsehens, gelingt es der auf der Kabarettbühne Spätberufenen schnell, ihre Zuschauerinnen aus der Komfortzone zu locken. Da wird zwar immer wieder herzlich gelacht, über Wortungetüme wie Frauenwarteschlange oder Anti-Aging-Cremes als Männerthema, doch mindestens ebenso häufig bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Schließlich steckt hinter vielem, was zunächst witzig klingt – „Landgrapschen“, „Artenvielfaltsallzweckvernichtungswaffe“ oder der „strahlenden Zukunft des Atommülls“ – bitterer Ernst.

Auf die ernst gemeinte Aufforderung der verantwortungsbewussten Josefine, mitzudenken statt anderen nachzulaufen, reagiert die Zuhörerrunde mit nachdenklichem (entlarvendem?) Schweigen. Für die geforderte „Obergrenze für Dummheit“ aber bekommt die Kabarettistin donnernden Applaus, ebenso wie für ihre Abrechnung mit den Umfrageinstituten in Gedichtform: „Was wir wählen würden, wenn Wahlen wären.“

Es gibt noch viel zu tun in Sachen Gleichberechtigung, stellt Josefine fest und schildert die Reaktion des Personalchefs auf ihre Gehaltsvorstellung: „Das wäre ja alles kein Problem, wenn Sie jetzt ein Mann wären.“ Doch wer jetzt denkt, bei Gartner seien Frauen immer die besseren Menschen, merkt spätestens dann, dass er falsch liegt, wenn Hilde und Josefine auf der Bühne herzhaft übereinander herziehen. Als „fade Nock’n“, zu deutsch „Trauerkloß“ tituliert Hilde ihre Schwester, und die revanchiert sich mit einem Zitat von Franz Josef Strauß: „Das Denken ist allen erlaubt, aber manchen bleibt es erspart.“

Josefine Gartner lässt sich nicht festlegen, schon gar nicht am Internationalen Tag der Frau. Frauenthemen? „Da regt mich allein das Wort schon auf“, ruft sie empört. Sie wendet sich sogleich wichtigeren Themen zu: etwa der Frage nach dem mächtigsten Mann auf der Welt – der, bei dem im Windschatten der Wichtigtuer, in Wirklichkeit alle Fäden zusammenlaufen. Ganz anders Hilde, ihre alleinlebende Schwester, die mit Hüftschwung und schwärmerischem Blick der Männerwelt schöne Augen macht und für Josefines Nüchternheit, ihr Nachdenken und das Ringen um ein nachhaltiges Leben nichts als milden Spott übrig hat. Mit seinen treffenden Beobachtungen und virtuosen Wortspielen wird dieser Kabarettabend dem Publikum in bester Erinnerung bleiben.

von Beatrice Ehrlich

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